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Sentinelesen
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Die Sentinelesen (auch als Sentineli bezeichnet) sind ein von der Außenwelt isoliertes indigenes Volk auf North Sentinel Island, einer Insel der Andamanen im Golf von Bengalen, die von Indien als Teil des Unionsterritoriums Andamanen und Nikobaren verwaltet wird. Sie leben als JĂ€ger und Sammler auf der 7,8 km × 7 km großen Insel (59,67 kmÂČ),cite-ref-ministry-st-report-2014-95-1-0[1] die fast vollstĂ€ndig von tropischem Regenwald bedeckt ist. Die VolkszĂ€hlung in Indien 2011 gibt die Zahl ihrer Angehörigen mit 15 an, 12 MĂ€nner und 3 Frauen.cite-ref-3[2.1] Es wird aber geschĂ€tzt, dass zwischen 100 und 150 Sentinelesen auf der Insel leben könnten.cite-ref-5[3.1] FĂŒr das Jahr 2001 wurden 39 und fĂŒr 1991 insgesamt 24 Angehörige angegeben; 1911 wurde die Zahl von 117 Sentinelesen ermittelt.cite-ref-6[3.2] Sie gehören zu den Andamanern und sprechen eine undokumentierte andamanische Sprache.

Die Sentinelesen werden von der indischen Zentralregierung als „registrierte Stammesgemeinschaft“ anerkannt, darĂŒber hinaus als „besonders gefĂ€hrdete Stammesgruppe“.cite-ref-7[2.2] Beide administrativen Einteilungen gewĂ€hren besondere staatliche Schutzrechte. Weil die Sentinelesen seit Langem die Kontaktaufnahme von Fremden auch mit kĂ€mpferischen Mitteln ablehnen, hat die Regierung jeden Kontaktversuch mit ihnen verboten und eine Sperrzone von drei Kilometern um die Insel errichtet (siehe unten).

Der Ethnologe Vishvajit Pandya von der UniversitĂ€t Delhi wies darauf hin, dass die Sentinelesen schon seit Langem eine Vorstellung von der Außenwelt hĂ€tten, da der Golf von Bengalen ein seit Jahrhunderten genutzter Handelsweg sei. Von „UnberĂŒhrtheit“ könne daher bei ihnen nicht die Rede sein.cite-ref-faz-2010-8-0[4]

| Sentinelesen [ 3.2 ] | Sentinelesen [ 3.2 ] |
|---|---|
| Jahr | Zahl |
| 1911 | 117 |
| 1921 | 117 |
| 1931 | 50 |
| 1961 | 50 |
| 1971 | 82 |
| 1981 | 100 |
| 1991 | 24 |
| 2001 | 39 |
| 2011 | 15 |
| 2021 | 50–80 [ 5 ] |

Contents

‱ Einordnung
‱ Siedlungen
‱ Bootsbau
‱ Ab 1800
‱ Ab 1900
‱ Ab 2000
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Einordnung

Bereits 1789–93 gab es auf dem ursprĂŒnglichen Heimatland der Jarawa einen starken BevölkerungsrĂŒckgang. Nach dem Tsunami 2004 zogen sich die Onge und Groß-Andamaner auf isolierte Siedlungen zurĂŒck; die Jarawa verĂ€nderten ihre Siedlungen und besetzten das ehemalige Heimatland der Groß-Andamaner.

Nach ihren physischen Merkmalen werden die Sentinelesen den Negritos zugeordnet, einer Sammelbezeichnung fĂŒr mehrere kleinwĂŒchsige und kraushaarige Ethnien, die zumeist in abgelegenen Regionen der malaiischen Inselwelt leben. Videoaufnahmen aus dem Jahr 1991 zeigen allerdings „ganz entgegen aller [sic] Negrito-Erwartungen ziemlich große und muskulöse [
] Erwachsene und Kinder“.cite-ref-12[7.1]

Die Insel wurde vermutlich von South Andaman Island aus besiedelt. Die dort lebenden Jarawa, mit denen die Sentinelesen nĂ€her verwandt zu sein scheinen als mit anderen Andamanern, ĂŒberwanden die rund 35 Kilometer zur nĂ€chstgelegenen KĂŒste beim heutigen Port Muat wahrscheinlich mit BambusflĂ¶ĂŸen oder Auslegerkanus.cite-ref-14[8.1]

Die Sprache der Sentinelesen ist nicht erforscht. Sie wird allein aus geographischen GrĂŒnden den andamanischen Sprachen zugerechnet. Die bekannten Sprachen der nĂ€chstgelegenen Nachbarvölker, etwa die auf Little Andaman lebenden Onge oder die der Jarawa, sind untereinander verwandt. Mit der sentinelischen Sprache teilen diese offenbar kein ausreichend gemeinsames Vokabular, um als Bindeglied dienen zu können. Onges, die in den 1980er-Jahren auf die Insel gebracht wurden, konnten die Sprache der Sentinelesen nicht verstehen.cite-ref-pandya-2009-sxxx-15-0[9]

Die Sentinelesen sind das letzte isoliert lebende indigene Volk auf den Andamaneninseln, nachdem die benachbarten Jarawa seit 1998 Kontakt mit indischen Siedlern haben.cite-ref-kirschner-2012-16-0[10]

Es gibt in Verbindung mit der Untersuchung der Sprache genetische Hinweise darauf, dass die Andamaner möglicherweise Nachfahren der ersten Auswanderungswelle aus Afrika vor rund 100.000 Jahren sind (siehe auch Ausbreitung des Menschen).cite-ref-venkateswar-spektrum-1999-17-0[11] Wie weit diese Erkenntnisse auch fĂŒr die Sentinelesen gelten, ist jedoch unklar.

Lebensweise

Die Sentinelesen sind weltweit eine der letzten Ethnien, die außerhalb der industrialisierten Zivilisation leben (vergleiche Naturvolk). Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit ist sehr wenig ĂŒber sie bekannt, und dies kann nur aus wenigen Beobachtungen und Begegnungen erschlossen werden. Berichte erwĂ€hnen keinerlei Kleidung; oft werden die beobachteten Personen als nackt beschrieben, teils mit einer SchmĂŒckschnur um die HĂŒfte. Wurden Waffen gesichtet, dann nur „hausgemachte“ aus den örtlichen Materialien – eine Besonderheit sind die metallenen Spitzen ihrer Pfeile und Wurflanzen. Vermutet wird, dass die Inselbewohner fremde Materialien aus den Wracks mehrerer gestrandeter Schiffe gewinnen konnten. Dokumentiert sind inselnahe SchiffbrĂŒche des Handelsschiffs Nineveh 1867, des Landungsschiffs 532 der portugiesischen Marine 1970, der Rusley 1977 und des Frachters Primrose 1981.cite-ref-1981-primerose-18-0[12]cite-ref-19[3.3]

Schon frĂŒh haben Ethnologen (Anthropologen) die Sentinelesen als „JĂ€ger und Sammler“ (Wildbeuter) beschrieben und finden wiederholt BestĂ€tigungen fĂŒr diese Einordnung.

Siedlungen

FĂŒr den Bau dauerhafter Behausungen gibt es keine Belege; vermutet wird, dass die Sentinelesen in kurzlebigen UnterstĂ€nden schlafen. Bei zwei Expeditionen wurden kreisförmig angeordnete, einfache SchlafstĂ€tten mit schrĂ€ggestelltem Palmzweig-Flechtwerk sowie von Steinen umgrenzte Herdstellen vorgefunden. Oft wurde beobachtet, dass sie Feuer nutzen; nicht bekannt ist, ob sie ĂŒber eine Technik zum Feuermachen verfĂŒgen oder gezwungen sind, Feuerstellen dauerhaft in Betrieb zu halten.cite-ref-weltonline-2018-11-24-20-0[13] Beobachtet wurde die Aufbewahrung von Glut in einer Baumhöhle.

Sentinelesen nutzen Naturmaterialien, die sie auf der Insel finden, aber auch GegenstĂ€nde und Materialien, die als Strandgut angespĂŒlt werden. Bei der ersten Expedition im Jahr 1879 wurden einige GegenstĂ€nde aufgegriffen und mitgenommen, die sich heute im British Museum in London befinden, darunter ein geflochtener Korb und eine Holzlanze mit Eisenspitze.cite-ref-britishmuseum-collection-21-0[14]cite-ref-22[3.4]

Nahrungsgrundlagen

Das Anthropological Survey of India (AnSI), eine Abteilung des indischen Kulturministeriums, nennt 2017 als ErnÀhrungsgrundlagen der Inselbewohner:cite-ref-23[3.5]

‱ KokosnĂŒsse, Wurzeln, Pflanzenknollen, verschiedene BlĂ€tter und wahrscheinlich Kochbananen
‱ eine Wildschweinart, Bienenhonig, Schildkröten und deren Eier sowie verschiedene Arten von Speisefisch und anderen Wassertieren, sowohl aus Lagunen im Inselinneren wie auch aus den KĂŒstenbereichen

Bootsbau

Die Inselbewohner stellen einbaumartige Kanus aus Holz her, deren Vortrieb ĂŒber Staken erfolgt. Damit können sie sich auf den Lagunen und an der KĂŒstenlinie entlang bewegen, nicht jedoch tiefere GewĂ€sser befahren, zumal die See wĂ€hrend der halbjĂ€hrigen Monsunzeit sehr rau ist. Bei ufernahen Fahrten zwischen den Korallenriffen wurden sie öfter beobachtet.cite-ref-pandya-2009-sxxx-15-1[9] Die flachen Riffe, die um die ganze Insel herum liegen, ziehen viele Fische an und können Unterteilungen bilden, in denen sich Meerestiere verfangen. Bei dem Erdbeben im Indischen Ozean 2004 mit nachfolgendem Tsunami wurde die tektonische Platte unter der Insel um ein bis zwei Meter angehoben, wodurch sich ihre KĂŒstenlinien ausweiteten und einige der KorallenbĂ€nke trockenfielen.cite-ref-24[3.6]

Bedrohungen

Wilderer beuten verstĂ€rkt die FischgrĂŒnde um die Andamanen aus, was die Nahrungsgrundlagen der Sentinelesen gefĂ€hrdet. Auch benachbarte indigene Völker wie die Jarawa, die Kontakt mit Außenstehenden haben, klagen immer wieder ĂŒber Wilderei und deren Auswirkungen auf ihre NahrungsgrĂŒnde.cite-ref-survivalint-2010-09-20-25-0[15]

Es wird davon ausgegangen, dass diese Gruppe durch die jahrhunderte-, vielleicht gar jahrtausendelange Isolation auf einer kleinen Insel genetisch extrem homogen, das heißt genetisch stark verarmt ist. Über zahlreiche Generationen hinweg gab es möglicherweise nur Nachkommen aus den Verbindungen zwischen mehr oder weniger verwandten Personen. Einen Genzufluss von außen gab es wohl wegen der Isoliertheit nicht. Daher kam es auf der Insel in der Vergangenheit sicher zu populationsgenetischen PhĂ€nomenen wie Gendrift, GrĂŒndereffekten oder genetischen FlaschenhĂ€lsen.cite-ref-oneil-2014-26-0[16] Bei den Sentinelesen dĂŒrften auch rezessive Erbkrankheiten hĂ€ufig auftreten, da die Wahrscheinlichkeit fĂŒr Homozygotie aufgrund der Verwandtenehen groß ist.cite-ref-bbc-2016-01-13-27-0[17]

Die Übertragung von Krankheiten bei Kontaktaufnahme, deren Erreger fĂŒr den ÜbertrĂ€ger selbst unbemerkt oder harmlos sein können, stellt eine ernste Bedrohung fĂŒr die Sentinelesen dar, die aufgrund ihrer Abgeschiedenheit auch isoliert von vielen Infektionskrankheiten leben und keine spezifische Immunantwort entwickelt haben dĂŒrften. Andere indigene Völker auf den Andamanen wurden durch Gewalt und Krankheiten nach dem Kontakt fast völlig ausgelöscht. Die indische Regierung erkennt bei den Sentinelesen ein Recht auf Autonomie an, hat daher die Insel und das umliegende GewĂ€sser im Radius von drei Kilometern zur verbotenen Zone erklĂ€rt und Kontaktaufnahmen zu ihnen verboten.

Kontakt mit Außenstehenden

In der Vergangenheit gab es immer wieder Versuche, Kontakt mit den Sentinelesen aufzunehmen, um sie zu erforschen. Einige von ihnen wurden verschleppt. Die Sentinelesen reagierten mit RĂŒckzug in den Wald oder sie attackierten die Eindringlinge mit Pfeil und Bogen. Da sie sich gegen jede Art von AnnĂ€herung massiv zur Wehr setzen, wurden 1996 die Kontaktversuche von der indischen Regierung vorĂŒbergehend eingestellt.cite-ref-spiegel-2013-09-09-28-0[18] Wissenschaftler, die an Kontaktversuchen beteiligt waren, berichteten von einem deutlichen Drohverhalten, das ausschließlich dazu diene, Eindringlinge von der Insel fernzuhalten.cite-ref-bbc-2018-11-27-29-0[19]

Um 1296 beschrieb der venezianische HĂ€ndler Marco Polo die Bewohner der Andamanen erstmals – sehr wahrscheinlich nur vom Hörensagen: Sie seien die wildeste und gefĂ€hrlichste Menschenrasse, die mit Augen, Ohren und ZĂ€hnen von Hunden ausgestattet sei.cite-ref-goodheart-2000-30-0[20]

1771 sah die Besatzung der an der KĂŒste von North Sentinel Island vorbeisegelnden Diligent, ein Vermessungsschiff der Britischen Ostindien-Kompanie, in einer Nacht den Schein mehrerer Feuerstellen. Dies gilt als erstes Zeugnis fĂŒr auf der Insel lebende Menschen; zu einem Landgang kam es nicht.cite-ref-goodheart-2000-30-1[20]

Ab 1800

1867 lief das indische Handelsschiff Nineveh auf ein Korallenriff vor North Sentinel Island auf. Besatzung und Passagiere retteten sich im Beiboot an den Strand. Am dritten Morgen wurde das Lager von mehreren dunkelhĂ€utigen nackten MĂ€nnern unter Kampfgeschrei mit Pfeilen angegriffen, deren Spitzen aus Eisen gemacht schienen. Die SchiffbrĂŒchigen konnten sich mit Stöcken und SteinwĂŒrfen verteidigen. Alle ĂŒberlebten und wurden einige Tage spĂ€ter von einem Rettungsdampfer der Britischen Marine aufgenommen. Dies war die erste Sichtung von Menschen, die seitdem nach dem Inselnamen als „Sentinelesen“ bezeichnet werden.cite-ref-goodheart-2000-30-2[20] Der britische Verwalter (administrator) Homfray versuchte anschließend, der Insel einen Besuch abzustatten.cite-ref-31[3.7] Das zurĂŒckgelassene Wrack der Nineveh lieferte den Sentinelesen Materialien wie Metall;cite-ref-19-1[3.3] vermutlich stammten die Pfeilspitzen der Krieger von einem frĂŒheren Schiffswrack oder angeschwemmtem Strandgut.

1879 1879 betrat der britische Verwalter der Andamanen, Maurice Vidal Portman, als erster EuropĂ€er die Insel. Mit einer großen Truppe Bewaffneter und FĂ€hrtenlesern anderer AndamanenstĂ€mme durchstreifte er tagelang die Insel auf der Suche nach den Einwohnern, an deren Erforschung Portman auch persönliches Interesse hatte. Die Truppe fand einfache PalmzweighĂŒtten und Feuerstellen und stieß schließlich auf ein altes Ehepaar mit vier Kindern. Sie wurden zur Untersuchung in die 60 km entfernte Hauptstadt Port Blair auf South Andaman Island verschleppt.

Portman schrieb spĂ€ter bedauernd, dass die Gruppe „schnell erkrankte und der alte Mann und seine Frau starben, sodass die vier Kinder mit vielen Geschenken nach Hause geschickt wurden“. Portman notierte „ihren eigentĂŒmlich idiotischen Ausdruck des Gesichts und des Verhaltens“.cite-ref-goodheart-2000-30-3[20]cite-ref-32[Anm. 1] Die weiteren Folgen dieses Vorfalls sind unklar. Denkbar ist, dass die heimgekehrten Kinder weitere Sentinelesen ansteckten, mit verheerenden Folgen fĂŒr den Stamm. Eine derartige Katastrophe könnte eine plausible ErklĂ€rung fĂŒr die Feindseligkeit gegenĂŒber der Außenwelt sein.cite-ref-survivalint-ohnedatum1-33-0[21]

Portman unternahm bis 1896 mehrere erfolglose Versuche, die Sentinelesen zu kontaktieren, untersuchte die Sprachen der anderen indigenen Inselbevölkerungen und legte eine erste ethnografische Sammlung an. Er erklÀrte spÀter in einer Rede vor der Royal Geographical Society in London zu seinen Forschungen bei den Indigenen der Andamanen:

“Their association with outsiders has brought them nothing but harm, and it is a matter of great regret to me that such a pleasant race are so rapidly becoming extinct. We could better spare many another.”

„Ihre Verbindungen mit Außenstehenden haben ihnen nichts als Unheil gebracht, und es ist eine Angelegenheit großen Bedauerns fĂŒr mich, dass eine solch angenehme Rasse so schnell ausgelöscht wird. Wir sollten die vielen anderen lieber verschonen.“cite-ref-goodheart-2000-30-4[20]

1896 entfloh ein hinduistischer StrĂ€fling dem Gefangenenlager auf den Großen Andamanen mit einem selbstgebauten Floß und trieb bis zur Nord-Sentinel-Insel. Dort fanden Verfolger seine Leiche mit mehreren Pfeilwunden und aufgeschnittener Kehle; Einheimische wurden nicht beobachtet.cite-ref-goodheart-2000-30-5[20]

Ab 1900

1903 stattete der britische Verwalter Gilbert Rogers der Insel einen Besuch ab.cite-ref-31-1[3.7]

1911 landete der britische Kolonialbeamte M. C. C. Bonington mit einigen Begleitern an der WestkĂŒste der Insel und wurde nicht angegriffen. Laut Bonington flohen acht MĂ€nner in den Dschungel und zwei machten sich in Kanus davon. Die Briten gingen einige Kilometer ins Landesinnere, wo sie einige Behausungen fanden, aber nicht auf Widerstand stießen. Bonington glaubte, dass es gelingen könnte, die Sentinelesen durch Geschenke zu „zĂ€hmen“.cite-ref-34[8.2] 1926 besuchte der britische Verwalter Bonington erneut die Insel.cite-ref-35[22]cite-ref-31-2[3.7]

1970 entsandte die indische Regierung ein Landvermessungsteam, um auf der Insel eine Steintafel zu errichten, deren Inschrift die Insel als Teil Indiens deklariert.cite-ref-goodheart-2000-30-6[20]

1974 machte ein Filmteam des National Geographic einige Aufnahmen von Sentinelesen fĂŒr den Dokumentarfilm Man in Search of Man.cite-ref-west-2009-45-36-0[23]cite-ref-youtube-vaidya-1974-37-0[24] Die Gruppe landete mit einigen Ethnologen, bewaffneten Polizisten und dem indischen Fotografen Raghubir Singh, dem aufsehenerregende Bilder gelangen. Im selben Jahr filmte der österreichische Forschungsreisende Heinrich Harrer auf seiner Andamanen-Expedition die Insel aus der Ferne.

Nach 1974 entstanden einige Film- und Fotoaufnahmen bei spÀteren Expeditionen der indischen Regierung.cite-ref-survivalint-ohnedatum2-38-0[25] Den Sentinelesen wurden dabei immer wieder Geschenke hinterlassen.cite-ref-goodheart-2000-30-7[20]

1981 1981 lief der Frachter Primrose in einem Sturm auf ein Korallenriff einige hundert Meter vor der Insel auf. Wegen starken Wellengangs konnten die Seeleute ihr Beiboot nicht zu Wasser lassen. Sie beobachteten, wie sich mehrere Sentinelesen am Strand sammelten, bedrohlich ihre Waffen schwangen und begannen, Boote vorzubereiten. Das anhaltend stĂŒrmische Wetter verhinderte eine AnnĂ€herung der Sentinelesen und ihre Pfeile erreichten das Schiff nicht. Einige Tage danach erreichte die Indische Marine das Schiff und die Besatzung wurde gerettet. Wegen der AggressivitĂ€t der Sentinelesen wurde die Primrose nicht geborgen und blieb vor der Insel liegen.cite-ref-1981-primerose-18-1[12]cite-ref-39[26]

1991 1991 kam es zum ersten freundlichen Kontakt zwischen einer Gruppe indischer Regierungsbeamter und einigen Sentinelesen, bei dem diese SĂ€cke mit KokosnĂŒssen als Geschenk annahmen.cite-ref-west-2009-45-36-1[23] Beteiligt waren die beiden Ethnologen Trilokinath Pandit und Vishvajit Pandya sowie als erste Frau die Anthropologin Madhumala Chattopadhyay.cite-ref-goodheart-2000-30-8[20]cite-ref-terra-x-2019-06-16-40-0[27]

1996 Nach 1996 wurden die AnnĂ€herungsversuche der Regierung vorĂŒbergehend eingestellt. Zwischen 1967 und 1994 hatte die politische Linie der Zentralregierung unter dem Motto „Mission der guten Absicht“ gestanden, nun galt: „HĂ€nde weg, im Auge behalten“.cite-ref-41[3.8] Seitdem ist die Insel als „Reserviertes Stammesgebiet“ (Tribal Reserve Area) ein militĂ€risches Sperrgebiet, umgeben von einer Drei-Kilometer-Schutzzone.cite-ref-5-1[3.1] Schiffe und Hubschrauber der Indischen Marine patrouillieren regelmĂ€ĂŸig, vor allem wegen fremder Fischer, Schmuggler, Wilderer und Piraten.cite-ref-goodheart-2000-30-9[20]

Ab 2000

2004 flog ein Hubschrauber drei Tage nach dem Erdbeben und Tsunami im Indischen Ozean ĂŒber die Insel, um nach Überlebenden zu suchen. Er wurde mit Pfeilen beschossen.cite-ref-weltonline-2018-11-24-20-1[13]

2005 unternahm die Regierung einen weiteren Versuch der Kontaktaufnahme.cite-ref-42[3.9]

2006 wurden zwei Fischer wahrscheinlich von Sentinelesen getötet, nachdem ihr Boot an die Insel getrieben war. Die genauen TodesumstĂ€nde sind ungeklĂ€rt, wie auch die Frage, ob die Fischer heimlich und unerlaubt zur KĂŒste gerudert oder versehentlich vom Kurs abgekommen waren. Die Inselbewohner begruben die Leichen im Sand, spĂ€tere Flutwellen legten die GrĂ€ber wieder frei. Die Sichtung der Leichen am 28. Januar 2006 durch einen Suchhubschrauber lieferte keinerlei Belege fĂŒr GerĂŒchte, die Sentinelesen betrieben Kannibalismus.cite-ref-pandya-2009-sxxx-15-2[9] (siehe auch Hauptartikel Todesfall auf North Sentinel Island 2006)

2014 unternahm die Regierung einen weiteren Kontaktversuch, bei dem sechzehn Personen angetroffen wurden: sieben MĂ€nner, sechs Frauen und drei Kinder.cite-ref-5-2[3.1]

2018 versuchte der US-Amerikaner John Allen Chau, trotz des ihm bekannten Kontaktverbots der indischen Regierung auf die Insel zu gelangen und die Einheimischen zu missionieren. Er wurde von Inselbewohnern getötet.cite-ref-guardian-2019-02-10-43-0[28] Die USA forderten von der indischen Regierung keine rechtlichen Konsequenzen wegen der Tötung.cite-ref-us-44-0[29]

2025 wurde der US-Amerikaner Mykhailo Polyakov verhaftet, nachdem er unerlaubt versucht hatte, mit den Inselbewohnern in Kontakt zu treten. Medienberichten zufolge nÀherte sich Polyakov der Insel mit einem Boot und legte eine Kokosnuss und eine Dose Cola als Gabe am Strand ab. Die Aktion wurde von den indischen Behörden als GefÀhrdung der Inselbewohner eingestuft.cite-ref-45[30]

Siehe auch
Literatur

‱ 2018: Kavita Arora: Indigenous Forest Management In the Andaman and Nicobar Islands, India. Springer, Cham 2018, ISBN 978-3-030-00033-2.
‱ 2000: Adam Goodheart: The Last Island of the Savages. In: The American Scholar. Band 69, Nr. 4, 5. Dezember 2000, S. 13–44 (englisch; online auf theamericanscholar.org).
‱ 1977: Heinrich Harrer: Die letzten FĂŒnfhundert. Expedition zu den Zwergvölkern auf den Andamanen. Ullstein, Berlin 1977, ISBN 3-550-06574-4.
‱ 2009: Vishvajit Pandya: The Specter of ‘Hostility’: The Sentinelese between Text and Image. In: Derselbe: In the Forest: Visual and Material Worlds of Andamanese History (1858–2006). University Press of America, Lanham MD 2009, ISBN 978-0-7618-4153-1, S. 326–364 (englisch; Leseprobe in der Google-Buchsuche).
‱ 1962: S. S. Sarkar: The Jarawa of the Andaman Islands. In: Anthropos. Band 57, Heft 3./6. Fribourg 1962, ISSN 0003-5572, S. 670–677 (englisch).
‱ 1976: Raghubir Singh: Der Kampf ums Überleben. In: Geo. Hamburg 1976, ISSN 0342-8311, S. 8–24.
‱ 1975: Raghubir Singh: The Last Andaman Islanders. In: National Geographic Magazine. Band 148, Nr. 1. Washington DC 1975, ISSN 0027-9358, S. 32–37 (englisch).
‱ 2010: UNESCO, Pankaj Sekhsaria, Vishvajit Pandya (Hrsg.): The Jarwaw Tribal Reserve Dossier. Cultural & biological diversities in the Andaman Islands. UNESCO, Paris 2010 (englisch; PDF: 12 MB, 220 Seiten auf unesco.org).

Dokumentationen

‱ 2019: ZDF-Redaktion Terra X: North Sentinel Island: Betreten verboten! auf YouTube, 16. Juni 2019, abgerufen am 17. Juni 2019 (17 Minuten; mit seltenen Filmaufnahmen und Interviews indischer Ethnologen).

Weblinks

‱ Survival International: Die Sentinelesen (Portalseite).
‱ Carola Krebs im GesprĂ€ch mit Dörte Hinrichs: Sentinelesen töten Missionar: „Wir haben kein Recht, in ihr Heim einzudringen“. In: Deutschlandfunk. 29. November 2018 (Krebs ist Ethnologin).
‱ Madhusree Mukerjee: North Sentinel Island: Die Zivilisation tötet fast jeden, an dessen Ufern sie landet. In: Spektrum.de. 29. November 2018; abgerufen am 15. Februar 2019 (Redakteurin des Scientific American).
‱ Alard von Kittlitz: Die Sentinelesen – das isolierteste Volk der Welt: „Man kann nicht so tun, als gĂ€be es sie nicht“. In: Faz.net. 9. Februar 2010, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 4. Februar 2012; abgerufen am 15. Februar 2019 (Interview mit Vishvajit Pandya).
‱ Vinay K. Srivastava: The Sentinelese (PDF: 1,5 MB, 16 Seiten). National Commission for Scheduled Tribes (NCST), Neu-Delhi 2017 (englisch; Powerpoint-PrĂ€sentation eines Professors des Anthropological Survey of India auf dem PVTGs-Seminar Conservation of Particularly Vulnerable Tribes of Andaman and Nicobar Islands).
‱ Presseschau: Sollen Urvölker isoliert bleiben? In: eurotopics. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung.

Anmerkungen

cite-note-32Anm. 1. ↑ Im Original: “their ‘peculiarly idiotic expression of countenance, and manner of behaving’”.

Einzelnachweise

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1. Ministry of Tribal Affairs, Statistics Division: Statistical Profile of Scheduled Tribes in India 2013. Government of India, Neu-Delhi 2013 (englisch) tribal.nic.in (PDF; 18,1 MB; 448 Seiten).
2. Vinay K. Srivastava: The Sentinelese. (PDF; 1,5 MB) National Commission for Scheduled Tribes (NCST), Neu-Delhi 2017 (englisch; PDF: 1,5 MB, 16 Seiten; Powerpoint-PrÀsentation auf dem PVTGs-Seminar Conservation of Particularly Vulnerable Tribes of Andaman and Nicobar Islands; Anthropologie-Professor der UniversitÀt Neu-Delhi und des Anthropological Survey of India).
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cite-note-93. travelbook.de.
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5. Christoph Brumann: Ethnologie der Globalisierung: Manuskript der Vorlesung im SS 2008 Institut fĂŒr Völkerkunde UniversitĂ€t zu Köln. (PDF: 1,1 MB; 263 Seiten) UniversitĂ€t Köln, 11. Juli 2008, S. 216, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 17. Mai 2014; abgerufen am 15. Februar 2019.
6. S. S. Sarkar: The Jarawa of the Andaman Islands. In: Anthropos. Band 57, Nr. 3/4/5/6. Fribourg 1962, S. 670–677 (englisch; JSTOR:40455833).
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cite-note-youtube-vaidya-1974-3724. ↑ Prem Vaidya: Man in Search of Man – Andaman Peoples auf YouTube, 1974 (englisch; 16 Minuten).
cite-note-survivalint-ohnedatum2-3825. ↑ Survival International Germany: In grĂ¶ĂŸter Isolation. In: Survivalinternational.de. Abgerufen am 15. Februar 2019 (mit Video 2:20 Minuten, englisch, ohne Datum).
cite-note-3926. ↑ Vishvajit Pandya: The Specter of ‘Hostility’: The Sentinelese between Text and Image. In: In the Forest: Visual and Material Worlds of Andamanese History (1858–2006). University Press of America, Lanham MD 2009, ISBN 978-0-7618-4153-1, S. 342.
cite-note-terra-x-2019-06-16-4027. ↑ Video von Terra X: Natur & Geschichte: North Sentinel Island: Betreten verboten! (ab 0:07:40) auf YouTube, 16. Juni 2019, abgerufen am 6. Januar 2020 (16:50 Minuten).
cite-note-guardian-2019-02-10-4328. ↑ J. Oliver Conroy: The life and death of John Chau, the man who tried to convert his killers. In: The Guardian. 3. Februar 2019, abgerufen am 15. Februar 2019 (englisch); Zitat: „Is this ‘Satan’s last stronghold’, he asked God – a place ‘where none have heard or even had a chance to hear your name?’“.
cite-note-us-4429. ↑ International Religious Freedom – Briefing. Samuel D. Brownback, Ambassador at Large for International Religious Freedom, 7. Februar 2019, abgerufen am 23. Februar 2019.
cite-note-4530. ↑ Brachte Cola-Dose als „Gabe“ mit – Mann betritt völlig isolierte Insel: Er besuchte auch schon die Taliban. In: Focus Online. 9. April 2025, abgerufen am 18. April 2025.